Ein Pueblo in der Altstadt

By | 24. August 2019

Bau des vierten Kindergartens ist ein weiterer Meilenstein in der frühkindlichen Bildungsarbeit in der Stadt Tirschenreuth!

 

Der Bedarf für einen weiteren Kindergarten in der Kreisstadt ist vorhanden. Und der Bau soll schon in einem Jahr fertig sein. Aus Holz, auch wenn das einem nicht passt.

Bei den Vorstellungen für den neuen Kindergarten in der Altstadt hatte Architekt Ulrich Greiner schon im Februar ein attraktives Modell mit gestaffelten und höhenversetzten Bauteilen vorgestellt. Der Kindergarten in "Pueblo-Bauweise" soll zwischen Großparkplatz und Ringstraße an dem Fußweg entstehen. Der Zugang soll von Südwesten her erfolgen. Damit könnten die Eltern, die ihre Kinder bringen, den Großparkplatz nutzen. Bis auf die Stimme von Karl Berr (Wählergemeinschaft Umwelt) billigte der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag den Bauantrag für das ambitionierte Vorhaben.

 

Gründach in Pultform

"Wir haben die bautechnischen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen", erläuterte Bürgermeister Franz Stahl die zwischenzeitlichen Arbeiten. Dazu gehörte auch die Untersuchung des Bodens, die keine Probleme aufgezeigt hätte. Der Bauantrag sei zudem bereits mit allen Fachstellen abgesprochen worden. Auch das Rote Kreuz als künftiger Träger sei gehört worden. Alle hätten keine Bedenken zu den Planungen der Stadt geäußert. Der neue Kindergarten wird von der Stadt errichtet und soll rund 3,7 Millionen Euro kosten, bei einer Förderung von rund 2,2 Millionen Euro. Die Grundstücksfläche umfasst rund 3000 Quadratmeter, die Nutzfläche des Gebäudes beträgt rund 800 Quadratmeter.

Bei der Ausführung mit verschiedenen Baukörpern werden mittig Bereiche für die Mensa oder einen Mehrzweckraum vorgesehen, zu den beiden Seiten erstrecken sich die Räume für jeweils zwei Krippengruppen (maximal 24 Plätze) und zwei Kindergartengruppe (maximal 36 Plätze). Bei den Gruppenräumen ist eine höhere Ausführung mit einer weiteren Ebene geplant. Ein "Gründach" in Pultform soll über den Gruppenräumen für ein angenehmeres Klima im Sommer sorgen. Die weiteren Bereiche sind mit Flachdächern ausgestattet. Hinter dem Gebäude haben die Planer Platz für einen Garten vorgesehen. Für die "hochwasserfreie" Ausführung soll das Gelände um gut einen Meter aufgeschüttet werden.

 

Biologische Bauweise

"Die Ausführung ist dominant und dennoch zurückhaltend", bescheinigte Bürgermeister Franz Stahl. "Es ist dezent in die Topopgrafie integriert!" Dabei befürwortet Stahl auch die Holzbauweise sowie eine Fassade aus Lärchen- oder Fichtenholz. Die Bauweise helfe auch dem Zeitplan. So könnten die Gebäudeteile vormontiert und dann zügig aufgestellt werden. Auch wandte sich der Bürgermeister gegen "Horrorszenarien", das einfach Spanplatten verarbeitet würden. Die vorgesehenen OSB-Platten würden den Auflagen entsprechen und sogar für eine biologische Bauweise genutzt, wollte Stahl alle Bedenken entkräften.

 

Gängige Bauweise

Die Ablehnung der Pläne kreidete Stahl dem WGU-Stadtrat schwer an: "Sie lehnen die Weiterentwicklung im pädagogischen Bereich und die Fortentwicklung der Stadt ab!" Manfred Zandt (Freie Wähler) konnte der Holzbauweise durchaus zustimmen. "Das ist heute eine gängige Form", verwies Zandt auf deutliche Verbesserungen in den vergangenen Jahren. Alfred Scheidler stellte sich ebenfalls hinter das Vorhaben. "Wer zukunftsorientiert handelt, muss zustimmen", hielt er gerade Berr entgegen. Überzeugen konnte er den WGU-Stadtrat nicht. Er ließ sich seine Skepsis an der Holzbauweise mit OSB-Platten nicht nehmen und verweigerte als einziger dem Bauantrag seine Zustimmung. Harald Siegert (CSU) hatte leichte Bedenken zu den Flachdächern. Das würde heute kein Problem mehr darstellen, betonte Stadtbaumeister Andreas Ockl.

 

Nach dem mehrheitlichen Einvernehmen im Stadtrat wird das Vorhaben jetzt ans Landratsamt zur Genehmigung weitergeleitet.